Forschung · 2026-06-19 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Predictive Processing zerfällt unter dem Faktoranalyse-Skalpell
Die Annahme, dass eine einzige Größe »Vorhersageverarbeitung« über Aufgaben hinweg messbar sei, hält der ersten ernsthaften Prüfung nicht stand.
Ein Preprint auf medRxiv, noch ohne Peer Review, lässt 73 gesunde Probanden sechs Aufgaben durchlaufen, die Vorhersagegewichtung in Sprache, Gedächtnis, Sehen und Hören prüfen sollen. Die Faktoranalyse findet zwar ein Zwei-Faktor-Modell, doch die Faktoren bilden Aufgabenfamilien ab, nicht die postulierte Hierarchie aus geschwächten Wahrnehmungs- und kompensierenden kognitiven Prioren. Zwischen den Paradigmen korrelieren die Maße kaum, was bedeutet, dass eine Person, die in einem Test stark auf Vorwissen vertraut, in einem anderen Test beliebig anders abschneiden kann. Damit gerät eine ganze Erklärlinie der Psychose- und Schizotypieforschung ins Rutschen, die seit Jahren mit Einzelaufgaben argumentiert, als sei dahinter ein gemeinsamer Mechanismus. Methodisch limitiert bleibt die Aussage durch die kleine, gesunde Stichprobe und den Preprint-Status, der eine externe Prüfung noch aussteht.
Wer aus einer Aufgabe auf ein Gehirnprinzip schließt, hat keine Theorie gebaut, sondern eine Aufgabe beschrieben.
Quelle: medRxiv Psychiatry