Forschung · 2026-06-19 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Hyperbolisches Ausschleichen ruht auf weicherem Boden als gedacht
Ein medRxiv-Preprint rechnet vor, dass die Kurve, an der sich das schonende Absetzen von SSRI ausrichtet, nicht die entscheidende ist.
Hyperbolisches Tapering, derzeit der Stand der Kunst beim Absetzen serotonerger Antidepressiva, stützt sich auf den nichtlinearen Zusammenhang zwischen Dosis und Belegung des Serotonin-Transporters SERT. Die Autoren halten in einem noch nicht peer-reviewten Preprint dagegen, dass SERT-Belegung nur ein Zwischenschritt ist, weil die biologische Wirkung an der extrazellulären Serotoninkonzentration hängt. Mit einem Zwei-Wege-Clearance-Modell aus der Massenwirkungskinetik zeigen sie, dass auch diese zweite Kurve hyperbolisch verläuft, nicht linear an der SERT-Belegung klebt. Folgt daraus, dass selbst im therapeutischen Dosisbereich, in dem die SERT-Belegung längst auf ein Plateau gelaufen ist, noch substanzielle pharmakologische Bewegung steckt, wird das gängige Reduktionsschema im oberen Dosisband zu grob. Das Modell stützt die Richtung hyperbolischen Ausschleichens, verschiebt aber die Kurve, an der sich Praktiker orientieren sollten.
Das schonende Absetzen war nie zu vorsichtig. Es war an der falschen Kurve vorsichtig.
Quelle: medRxiv Psychiatry