Forschung · 2026-07-14 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Drei Klassen statt drei Diagnosen
Eine britische Kohortenanalyse ordnet Psychosen jenseits der Lehrbuchgrenzen neu.
Schizophrenie, schizoaffektive Störung und bipolare Störung Typ I überlappen in Symptomen, Ursachen und Verläufen so weit, dass die Trennung im Klinikalltag oft nur Ritual ist. Ein medRxiv-Preprint, also noch ohne Peer Review, wertet 5.043 Patienten aus vier UK-Kohorten mit latenter Klassenanalyse aus und ignoriert dabei die Diagnosekriterien selbst. Herangezogen werden prämorbide Funktion, Ersterkrankungsalter, Schwere und Verlauf, gekreuzt mit polygenen Risikoscores für psychiatrische Merkmale. Drei Klassen passen am besten, und die Assoziationen zwischen Genetik und Klasse lassen sich durch die klinische Diagnose nicht wegerklären. Die polygene Signatur folgt also nicht dem Etikett auf der Akte, sondern einer darunterliegenden Sortierung, die niemand bislang benennt.
Wer Wirkstoffe gegen ICD-Kategorien entwickelt, zielt auf Konstrukte, die das Genom nicht kennt.
Quelle: medRxiv Psychiatry