Forschung · 2026-09-06 · 1 Min.
Bipolare Jugendliche und die zweite Diagnose
Ein Übersichtsartikel in den Child and Adolescent Psychiatric Clinics of North America ordnet Substanzstörungen bei bipolaren Jugendlichen neu.
Bipolare Jugendliche entwickeln überdurchschnittlich häufig eine Substanzstörung, was in der klinischen Routine lange als Komorbidität behandelt wurde, also als zweite Baustelle neben der ersten. Der Beitrag argumentiert entwicklungspsychiatrisch und liest den Substanzkonsum als Teil des Krankheitsverlaufs, nicht als Zusatz. Assessment und Behandlung sollen dem Alter der Betroffenen folgen, nicht dem Erwachsenenprotokoll, das bislang nach unten skaliert wurde. Der Preis der bisherigen Praxis ist eine Pharmakotherapie, die auf die Stimmung zielt, während der Konsum weiterläuft und die Stimmung mitschreibt. Wer beides trennt, behandelt zwei Hälften desselben Patienten.
Komorbidität ist ein Wort, das zwei Diagnosen nebeneinanderlegt, damit man sie nicht übereinanderlegen muss.
Quelle: PubMed E-Utilities · DOI: 10.1016/j.chc.2026.05.007