Forschung · 2026-10-12 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Zwei Achsen im Risikohirn
Das klinische Hochrisiko für Psychose zerfällt in einem neuen Preprint in zwei neuronale Dimensionen, die bisherige Diagnosegrenzen quer durchschneiden.
Ein noch nicht begutachtetes Preprint auf medRxiv wertet Ruhe-Konnektivität und 34 klinische Variablen von 701 Hochrisiko-Teilnehmenden des AMP-SCZ-Programms aus. Mittels Partial Least Squares extrahieren die Autoren zwei stabile Hirn-Symptom-Dimensionen, die mit Genexpression, Kognition und Verlaufsdaten nach zwei Monaten abgeglichen wurden. Die erste Achse bündelt allgemeine Psychopathologie und koppelt somatomotorisch-saliente Netzwerke an Gene der neuronalen Entwicklung. Die zweite trennt negativ-internalisierende Symptome ab und sitzt in zerebellär-thalamisch-somatomotorischer Schaltung, also fernab der üblichen präfrontalen Erzählung über Schizophrenie-Risiko. Hierarchisches Clustering übersetzt beide Achsen in Subgruppen, deren Trajektorien sich bereits nach acht Wochen auseinanderziehen.
Die diagnostische Kategorie »Hochrisiko« war nie ein Befund, sondern eine Warteschlange. Jetzt bekommt die Warteschlange zwei Sortieralgorithmen, und die Prodromalpsychiatrie wird erklären müssen, warum sie Jahrzehnte ohne auskam.
Quelle: medRxiv Psychiatry