Forschung · 2026-06-30 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Wer forensisch sitzt, sitzt nicht wegen der Tat
Eine retrospektive Studie aus Nordisrael verschiebt das Gewicht von der Straftat auf die Biografie.
Untersucht wurden 119 Patienten, die zwischen 2018 und 2023 nach Gerichtsbeschluss in psychiatrischer Zwangsunterbringung saßen und entlassen wurden, ausgewertet aus medizinischen und juristischen Akten. Fast alle Männer, fast alle mit Schizophrenie oder schizoaffektiver Störung, vier von fünf zusätzlich mit Suchterkrankung, sechs von sieben ohne Arbeit. Die mediane Verweildauer lag bei 19 Monaten, also 40 Prozent der gesetzlich möglichen Höchstdauer. Paradox, und in den Akten doch konsistent: Wer eine geringfügige Tat begangen hatte, saß anteilig länger als wer eine schwere begangen hatte, nämlich 47 Prozent der Höchstdauer. Das Preprint ist nicht begutachtet, der Befund aber strukturell älter als die Stichprobe.
Die Schwere der Tat schrumpft zur Randvariable, sobald Diagnose, Sucht und Arbeitslosigkeit zusammenfallen. Forensik misst nicht, was jemand getan hat, sondern wohin er entlassen werden könnte.
Quelle: medRxiv Psychiatry