Forschung · 2026-09-03 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Ketamin dämpft Immunentzündung bei Depression im Reagenzglas
Ein Preprint aus dem medRxiv-Psychiatriearchiv verortet die antidepressive Wirkung von Ketamin nicht im Neurotransmitter, sondern im Blut.
Achtzehn Depressive und achtzehn Kontrollen lieferten Vollblut, das mit bakteriellen und pflanzlichen Reizstoffen zur Entzündung provoziert und anschließend drei Ketamin-Konzentrationen ausgesetzt wurde. Die Depressionsproben reagierten auf die Provokation deutlich heftiger als die Kontrollen, mit erhöhten Makrophagen-, T-Helferzell- und Chemokinprofilen, also dem klassischen Muster einer sensibilisierten Immunachse. Ketamin dämpfte diese überschießende Antwort konzentrationsabhängig, wobei die stärkste Dosis am klarsten schnitt. Bemerkenswert ist, dass der Effekt in den gesunden Proben schwächer ausfiel, was das Präparat weniger als Immunsuppressivum ausweist denn als Korrektiv einer bereits entgleisten Regulation. Die Studie ist ein Preprint ohne Peer-Review, in vitro, klein und ohne klinischen Endpunkt, aber sie verschiebt die Frage, was Ketamin überhaupt behandelt.
Die schnelle Stimmungsaufhellung nach einer Infusion ist womöglich das sichtbare Ende einer Reaktion, die im Zytokinprofil beginnt. Depression als Entzündung, Antidepressivum als Kühlmittel.
Quelle: medRxiv Psychiatry