HELLMUTH · 2026-06-08 · 1 Min.
Saint Spritz gegen die RTD-Doktrin
Die Gründerregel für Ready-to-Drink-Marken lautet seit Jahren: ein Format, eine Geschmacksrichtung, eine Vertriebsschiene, erst Tempo beweisen, dann erweitern.
Saint Spritz hat sich nicht daran gehalten. Die Marke ging breit in den Markt, mit mehreren Varianten gleichzeitig, statt eine einzige SKU auf Geschwindigkeit zu trimmen. BevNet hält fest, dass die Rechnung bislang aufgeht.
Die Branchenlehre stammt aus einer Phase, in der Regalplatz knapp und Distributoren nervös waren. Wer schmal startete, konnte Abverkäufe pro Punkt sauber belegen und damit die nächste Kettenlistung argumentieren. Diese Logik setzt voraus, dass der Käufer am Regal eine Marke über eine Geschmacksrichtung lernt. Im Spritz-Segment, das von Aperol als Kategorie und nicht als Produkt geprägt ist, greift das nicht. Wer Spritz sagt, meint einen Anlass, kein Aroma.
Daraus folgt eine andere Wette. Saint Spritz verkauft nicht ein Getränk mit Linienerweiterung, sondern eine Auswahl als Versprechen. Das verlangt mehr Kapital vorn und macht jede einzelne Variante verwundbarer, falls eine floppt. Es verschiebt aber den Vergleichsrahmen im Regal weg vom Konkurrenten daneben hin zur eigenen Range. Velocity-Daten werden dann nicht pro SKU gelesen, sondern pro Markenblock.
Für den Rest der Kategorie ist das ein Stresstest der Gründungsdogmen. Wenn Saint Spritz die nächste Distributionsstufe erreicht, ohne vorher die klassische Single-SKU-Disziplin durchlaufen zu haben, verliert die Standardberatung ihren Belegcharakter.
Regeln im Getränkemarkt altern schneller als die Marken, die sie befolgen. Wer zu lange auf die Bestätigung der alten Doktrin wartet, baut die Marke der Vorgängergeneration.
Quelle: BevNet