HELLMUTH · 2026-06-23 · 1 Min.
Protein-Soda als Whitespace
Der US-Getränkemarkt entdeckt eine Lücke zwischen Limonade und Functional Drink und nennt sie Protein-Soda.
Soda war jahrzehntelang die Kategorie, aus der die Industrie Zucker herausoperierte, ohne etwas Tragfähiges hineinzulegen. Protein ist nun der Stoff, mit dem die Leerstelle gefüllt wird. Marken positionieren das Format als Brückenkategorie, zwischen klassischer Limonade und dem proteinlastigen Regal aus Riegel, Shake und Eis. Der Reiz liegt im Markenversprechen, nicht im Glas: Soda darf wieder konsumiert werden, sofern sie funktional aufgeladen ist.
Das verschiebt die Frage, was eine Limonade überhaupt ist. Nicht mehr Süße plus Kohlensäure, sondern eine Trägerflüssigkeit für Makronährstoffe. Wer Whey, Collagen oder pflanzliche Isolate in eine sprudelnde Matrix zwingt, kämpft mit Schaum, Trübung und Mundgefühl, das eher an Molke erinnert als an Cola. Die ersten Produkte lösen das technisch ordentlich, geschmacklich uneinheitlich. Whitespace heißt in der Branchensprache: noch kein Marktführer, kein Standardprofil, keine Erwartungshaltung des Konsumenten.
Das ist die kommerziell interessante Phase, in der Etiketten Behauptungen tragen dürfen, die später Studien tragen müssen. Wer früh ein Geschmacksprofil setzt, definiert die Kategorie. Wer zu spät kommt, verkauft Whey in Brause.
Soda war das Vehikel für Zucker. Jetzt ist sie das Vehikel für die nächste Behauptung.
Quelle: Beverage Daily