HELLMUTH · 2026-08-19 · 1 Min.
Matcha verliert sein Ritual
Der Aufstieg des Pulvertees zur Alltagsware kappt genau jene Zeremonie, die ihn erst zur Premium-Marke gemacht hat.
Bambusbesen, Steinmühle, Temperaturkontrolle waren die Legitimation, für dreißig Euro pro dreißig Gramm Grüntee-Pulver zu verlangen. Startups im Convenience-Segment ersetzen diese Choreografie durch Sticks, Ready-to-drink-Dosen und Kapseln. Was als japanische Praxis mit vierhundert Jahren Kontinuität firmierte, wird zur Zutat neben Kaffeekapseln im Supermarktregal. Die Zielgruppe ist nicht mehr die Teetrinkerin, sondern der Koffeinnutzer, der sein L-Theanin ohne Zubereitungsaufwand konsumieren will. Anbieter reklamieren dafür weiterhin die Ästhetik der Zeremonie, während sie deren Kern industriell entsorgen. Der Preis pro Portion sinkt, die Marge pro Portion auch. Zurück bleibt ein grünes Pulver mit Herkunftsangabe und ohne Handlung.
Ritual war der eigentliche Rohstoff. Wer ihn wegrationalisiert, verkauft nur noch pulverisierten Tee.
Quelle: Beverage Daily