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Hellmuth

HELLMUTH · 2026-09-25 · 1 Min.

Die Dose frisst die Flasche

Ready-to-Drink-Cocktails verschieben die Machtverhältnisse in der Spirituosenindustrie, und die Konzerne haben die Wahl zwischen Eigenentwicklung und Zukauf.

Der klassische Spirituosenmarkt beruhte auf einer stillen Verabredung. Der Konsument kauft die Flasche, mischt selbst, zahlt Marge auf reines Ethanol mit Etikett. Das Ritual war die Wertschöpfung. RTDs kappen diesen Zwischenschritt und verkaufen das fertige Getränk in der Dose, oft zum Preis eines Biers.

Die großen Häuser reagieren gespalten. Wer intern entwickelt, riskiert, die eigene Premiummarke zu kannibalisieren. Wer zukauft, zahlt Bewertungen, die für ein Segment mit dünner Marge und austauschbarem Format ambitioniert wirken. Beide Wege führen in dieselbe Vitrine im Supermarktregal, wo Aperol-Spritz-Klon neben Whiskey-Cola neben Hard Seltzer steht und keiner mehr weiß, wer das eigentlich destilliert hat.

Die eigentliche Verschiebung liegt tiefer. RTDs erziehen eine Generation dazu, Alkohol als Softdrink zu behandeln, portioniert, gekühlt, ohne Handwerk. Was als Bartender-Kultur firmierte, wird zur Getränkelogistik.

Der Cocktail war einmal ein Ort. Jetzt ist er eine SKU.

Quelle: Food Dive

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