HELLMUTH · 2026-07-15 · 1 Min.
Alkoholfrei wird zur Leitkategorie
Was als Verzichtsnische begann, sortiert inzwischen die Regale um.
Alkoholfreie Getränke galten lange als Ersatzprodukt für Schwangere, Fahrer und Reuige. Diese Rolle ist abgeräumt. Marken bauen die Kategorie nicht mehr als Beifang zum Kernsortiment, sondern als eigenständiges Feld mit eigener Preisarchitektur, eigenem Design und eigenem Regal.
Der Treiber ist nicht Askese, sondern eine jüngere Käuferschicht, die Nüchternheit als Distinktionsmerkmal versteht. Wer bei Wasser bleibt, will dafür bezahlen wie für Wein. Die Industrie hat verstanden, dass die Marge im Verzicht liegt, nicht im Rausch, und richtet Portfolios entsprechend aus.
Entscheidend ist die semantische Verschiebung. »Alkoholfrei« war ein Minus, ein fehlendes Etwas, ein Ersatzhinweis auf dem Etikett. In der neuen Ordnung ist es eine eigene Behauptung, mit eigenem Vokabular aus Botanicals, Fermenten und funktionalen Zusätzen, das mit dem Weinkeller sprachlich gleichzieht. Die Kategorie kannibalisiert nicht den Alkoholmarkt, sie ersetzt ihn Regal für Regal.
Was als Enthaltung firmierte, ist zur Position geworden. Die Flasche ohne Alkohol kostet jetzt mehr als die mit.
Quelle: Beverage Daily