Wermut (Artemisia absinthium)
Werbung: »Klassisches Bitterkraut aus der Klosterapotheke. Sanfter Aperitif, traditioneller Magenstärker, harmonisiert Verdauung und Appetit auf natürliche Weise.«
Wirkung: Wermut trägt einen Bitterwert bis 30.000 und gehört zu den stärksten bekannten Bitterstoffen der gesamten Pflanzenwelt. Der Hauptwirkstoff Absinthin ist ein Sesquiterpenlacton und aktiviert die TAS2R-Bitterrezeptoren in Mund, Magen und Darm. Mit der Bitterkeit synchronisiert der Körper Speichel, Magensaft und Galleflüssigkeit in einer einzigen reflektorischen Kaskade. Die Sekretion kommt zurück, der Appetit kommt zurück, die Galle fließt. Klinisch wirksam ist die Substanz bei Anorexie, Verdauungsschwäche, Gallendyskinesie und Cholestase, mit Wermut-Extrakt in einer kontrollierten Studie bei Morbus Crohn (Omer 2007) die Steroiddosis reduzierte und Remissionsraten signifikant erhöhte. Die Pflanze arbeitet auf Rezeptorebene, nicht über Suggestion. Die Thujon-Warnung gilt ausschließlich für historisches Absinth als Hochdosis-Spirituose, nicht für moderne Phytotherapie-Tinkturen oder Teezubereitungen mit thujonarmen Sorten. Im Markt steht Wermut als netter Aperitif neben Magenbittern für ältere Damen, während die pharmakologische Realität die wirkungsstärkste Bitterstoffpflanze der gesamten europäischen Pharmakopöe beschreibt. Wermut ist Hammer.
Quellen: Omer 2007