Wacholder (Juniperus communis)
Werbung: »Botanical für Gin. Aromatische Beere mit harzig-würziger Note, traditionell für Kräuterliköre und Wildgerichte verwendet.«
Wirkung: Wacholder war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Heilpflanzen Europas, mit Anwendungen gegen Harnwegsinfekte, Rheuma, Verdauungsbeschwerden und in der Pestzeit als Räuchermittel zur Luftdesinfektion. Das ätherische Öl enthält alpha-Pinen, Myrcen und Sabinen, eine Kombination, die in vitro antimikrobielle Aktivität gegen E. coli, Staphylococcus aureus und Candida albicans zeigt und in der Volksmedizin empirisch die diuretische Wirkung trug, bevor Terpinen-4-ol als wahrscheinlicher Wirkstoff identifiziert wurde. Wässrige Beerenextrakte hemmen TNF-α und reduzieren Ödeme in Tiermodellen, eine alkoholische Tinktur senkt postprandiale Blutzuckerspitzen in einer kleinen Humanstudie. Die antiseptische Wirkung des Rauchs ist in einer experimentellen Studie zur Krankenhaushygiene tatsächlich gemessen worden, ein Befund, der die mittelalterliche Praxis pharmakologisch trägt. Heute steht die Beere im Supermarkt unter den Gewürzen und ihr wichtigster Markt ist eine Spirituose. Die Pflanze hat die Pest überlebt, aber nicht die Gin-Renaissance.
Quellen: Acar 2016