Tulsi (Ocimum sanctum)
Werbung: »Heiliges Basilikum aus Indien für Stress, Immunsystem und innere Ruhe. Ayurvedische Königin der Kräuter, traditionell vielseitig verwendet.«
Wirkung: Tulasi gilt im Ayurveda als »Rasayana«, eine Pflanze, die in den klassischen Texten gegen so unterschiedliche Beschwerden wie Husten, Fieber, Schlangenbisse und seelische Verstimmung empfohlen wird, eine Indikationsliste, die nach Folklore klingt und sich bei näherer Betrachtung pharmakologisch in einzelne Wirkachsen auflösen lässt. Hauptwirkstoffe sind Eugenol, Ursolsäure und Carvacrol, mit anxiolytischen und adaptogenen Effekten über Cortisol-Modulation in einer randomisierten Studie an erwachsenen Probanden mit Stress-Symptomen. Eine weitere Studie bei Typ-2-Diabetes zeigt nach acht Wochen 2,5 g Blattpulver täglich signifikante Senkung des Nüchternblutzuckers und postprandialer Glukose, eine indische Kardiologie-Studie eine Senkung von Gesamtcholesterin und Triglyceriden über vier Wochen. Antimikrobiell wirkt das ätherische Öl breit gegen grampositive Bakterien und Pilze, in vitro mit Wirkstärke vergleichbar zu Gentamicin in standardisierten Verdünnungsversuchen. Die Werbung verkauft die Pflanze als »Königin der Kräuter«, ein Etikett, das pathetisch klingt und im pharmakologischen Befund tatsächlich nicht weit von der Realität liegt. Selten ist das so, und vermutlich liegt es daran, dass die Pflanze in Indien als Gottheit gilt und das Marketing keine Verkleinerung wagt.
Quellen: Agrawal 1996, Saxena 2012