Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea)
Werbung: »Reiner Bitter. Aperitif aus der Heilpflanzentradition. Magen und Galle in Form.«
Wirkung: Tausendgüldenkraut enthält mit Gentianin, Erytaurin und Erythrocentaurin eine seltene Reinheit an Bitterstoffen ohne nennenswerte Schärfe- oder Gerbstoff-Komponenten. Die Kommission E hat das Kraut positiv für nicht-ulzerative Dyspepsie und Appetitlosigkeit bewertet. Pharmakologisch wirkt die Substanz über TAS2R-Aktivierung auf Magensaftfluss und Galleflussförderung. In vergleichenden Bitterwert-Tests liegt das Kraut zwischen Enzian und Wermut.
In der traditionellen Phytotherapie ist die Substanz als gut verträglicher Aperitif etabliert. Sie wird in Mischungen für Reizmagen-Symptomatik und funktionelle Dyspepsie verschrieben, ohne dass moderne Einzelsubstanz-RCTs vorliegen.
Im modernen Phytotherapie-Markt ist das Kraut praktisch verschwunden, weil weder eine starke Industrie-Pflanze noch ein Wellness-Trend hinter ihm steht. Tausendgüldenkraut steht in der Kommission-E-Monografie mit positivem Votum und im Apothekenregal mit dem Status einer ausgestorbenen Empfehlung.