Spilanthol (Acmella oleracea)
Werbung: Es gibt keine. Die Kosmetik vermarktet die Pflanze als Botox-Ersatz für die Stirn, die Lebensmittelindustrie schweigt, und kein Supplement-Hersteller hat verstanden, was er in der Hand hält.
Wirkung: Spilanthol ist ein N-Isobutylamid, das auf trigeminale Afferenzen wirkt, nicht auf das Zentralnervensystem. Es aktiviert TRPV1- und TRPA1-Kanäle in den freien Nervenendigungen der Mundschleimhaut, was als prickelndes, fast elektrisches Erwachen wahrgenommen wird und nichts mit Geschmack zu tun hat, sondern mit Berührung. Das ist sensorisch einzigartig, weil keine andere Pflanze der Welt diese Form der Salivation auslöst, weder Chili noch Menthol noch Sanshool. Pharmakologisch ist die Substanz darüber hinaus dokumentiert anti-inflammatorisch über COX-2- und iNOS-Hemmung und in einer doppelblinden RCT bei Kniearthrose topisch vergleichbar mit Diclofenac-Gel, aber das ist nicht der Grund, warum sie in einem Botanical Soda steht. Sie steht dort, weil sie ein Getränk wach macht, ohne ein Stimulans zu sein. Eine Substanz, die nur funktioniert, wenn die Zunge sie trifft, gehört in keine Kapsel.
Quellen: Wu 2008, Boonen 2010