Raupenpilz (Cordyceps militaris)
Werbung: »Tibetischer Energie-Pilz für Ausdauer, Sauerstoffaufnahme und Performance. Adaptogen-Pilz, traditionell genutzt von Sherpas im Hochland.«
Wirkung: Der Pilz wird seit der chinesischen Leichtathletik-Saison 1993 als Performance-Substanz gehandelt, weil das damals erfolgreiche Trainerteam um Ma Junren die Wirkung in einer Pressekonferenz erwähnte, eine Aussage, die rückblickend in einem Kontext von Doping-Verdacht und Schildkrötenblut-Folklore zu lesen ist und keine pharmakologische Begründung darstellt. Cordycepin, ein 3-Desoxy-Analog von Adenosin, hat in vitro antitumorale und immunmodulatorische Eigenschaften, klinische Wirksamkeit auf Ausdauer und VO2max ist aber nur in einzelnen kleinen Studien beobachtet worden und in robusten RCTs entweder nicht reproduzierbar oder marginal. Hinzu kommt, dass der traditionell verwendete Cordyceps sinensis ein wild auf Raupen wachsender Pilz aus tibetischen Hochlagen ist, der mit dem im Supplement-Handel verkauften Cordyceps militaris-Myzel chemisch nicht identisch ist, eine Substitution, die im Etikett unsichtbar bleibt und in der Werbung nicht erwähnt wird. Die Substanz hat präklinisch ein interessantes Profil, aber die kommerzielle Vermarktung als »Sauerstoff-Booster« für trainierende Erwachsene überspannt das, was die Humanstudien hergeben, deutlich. Im Supplement-Glas steckt ein Laborpilz, im Sherpa-Mythos ein wilder, und beide haben weniger Humandaten, als das Etikett verspricht.
Quellen: Earnest 2004, Chen 2010