NAD+ / NMN
Werbung: »NMN gegen das Altern. Zellverjüngung auf molekularer Ebene. Fühl dich wieder wie 30. Die Longevity-Revolution aus dem Silicon Valley, jetzt auch für jeden, der sie sich leisten kann.«
Wirkung: Hinter dem Longevity-Marketing steht ein Molekül, ohne das keine Zelle des Körpers Energie produziert. NAD+ ist die zentrale Währung des oxidativen Stoffwechsels, der Kofaktor von mehr als fünfhundert Enzymen, und sein Spiegel sinkt mit dem Alter messbar um etwa 50 Prozent, ein Befund, der mit praktisch jeder altersbedingten Pathologie korreliert, von Kognition über Stimmung und Schlaf bis zur Entzündungskontrolle. Die Vorläufer NMN und NR reaktivieren über SIRT3 die mitochondriale Atmungskette und über SIRT1/PGC-1α die mitochondriale Biogenese, was in Tiermodellen die Hippocampusfunktion restauriert und depressives Verhalten messbar umkehrt. Yoshino 2017 zeigt am Menschen, dass orales NMN bioverfügbar ist und den NAD+-Spiegel in Skelettmuskel und peripheren mononukleären Blutzellen erhöht, eine pharmakokinetische Grundlage, die das Marketing nicht braucht und die Psychiatrie ignoriert, obwohl die Daten zur mitochondrialen Energiekrise unter dem Etikett »Depression« seit Jahren auf dem Tisch liegen. In der EU steht NMN unter dem Novel-Food-Vorbehalt und ist nicht durchgehend zugelassen, ein regulatorisches Problem, das die Substanz politisch betrifft und pharmakologisch nichts über sie aussagt. Das Longevity-Marketing macht NAD+ zur Hautcreme, der Regulator macht es zum Aktenzeichen, und dazwischen verschwindet der Kofaktor, ohne den keine Zelle Energie produziert.
Quellen: Xie 2020, Yoshino 2017