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Hellmuth

Aminosäure · Aminosäure

L-Theanin

Werbung: Entspannende Aminosäure aus grünem Tee. L-Theanin für wache Gelassenheit ohne Müdigkeit, ideal in Kombination mit Koffein.

Wirkung: L-Theanin ist eine nicht-proteinogene Aminosäure aus der Teepflanze. Sie passiert die Blut-Hirn-Schranke und erhöht im EEG die Alphawellen-Aktivität. Soweit die Pharmakologie.

Die Erzählung dahinter verdient Skepsis. Nahezu sämtliche Humanstudien zu L-Theanin wurden mit Suntheanine durchgeführt, einem patentierten Produkt der Firma Taiyo. Taiyo finanziert die Studien, liefert das Material und vermarktet die Ergebnisse. Die Stichproben sind klein, die Laufzeiten kurz, die Replikation durch unabhängige Gruppen fehlt. Eine achtwöchige Studie an 102 gesunden Erwachsenen fand unter 177 mg L-Theanin keine Reduktion von Erschöpfungssymptomen gegenüber Placebo.

Die Supplement-Dosis liegt bei 200 bis 400 mg pro Kapsel. Eine Tasse Grüntee enthält 25 bis 60 mg. Wer L-Theanin als »wie Teetrinken« bewirbt, verschweigt den Faktor vier bis acht. Die »natürlich wie Tee«-Erzählung ist bei Supplement-Dosierung pharmakologisch unredlich.

Das Hauptverkaufsargument lautet, L-Theanin mache Koffein verträglicher. Ein Supplement, das die Nebenwirkungen einer Suchtsubstanz abfedert, damit man sie weiter konsumieren kann. L-Theanin ist der Weichzeichner, der das Bild schärfer aussehen lässt, ohne das Problem zu lösen.

Alpha-Wellen im EEG sind ein Surrogatendpunkt. Ob ihre Veränderung klinisch relevante Entspannung erzeugt, ist nicht belegt. Was belegt ist, stammt aus der Forschungspipeline des Herstellers.

Der Rest ist Tee-Romantik mit Kapselpreis.

Literatur: Nobre 2008, Owen 2008, Hidese 2019

Nahrungsquellen: Matcha, Gyokuro, Sencha

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