DMAE (Dimethylaminoethanol)
Werbung: »Anti-Aging-Booster für Haut und Hirn. Cholin-Vorstufe für Gedächtnis und straffe Gesichtskonturen, der Klassiker aus dem amerikanischen Wellness-Regal.«
Wirkung: DMAE wird als Cholin-Vorstufe und damit als indirekter Acetylcholin-Spender beworben, doch die biochemische Realität ist deutlich dünner als die Marketingaussagen. Studien zur tatsächlichen Umwandlung von DMAE zu Cholin oder Acetylcholin im menschlichen Gehirn liefern uneinheitliche und überwiegend schwache Daten. Tiermodelle zeigen eine gewisse Membranstabilisierung an alternden Neuronen, ohne dass sich daraus reproduzierbare klinische Effekte ableiten ließen. In den 1960er Jahren testeten amerikanische Psychiater DMAE bei hyperaktiven Kindern unter dem Markennamen Deanol, bevor die FDA das Präparat aufgrund unzureichender Wirksamkeitsbelege vom Markt nahm. Tierstudien an trächtigen Tieren weisen auf eine Assoziation mit Neuralrohrdefekten bei der Nachkommenschaft hin, weshalb eine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit klar zu vermeiden ist. Die kommerziell relevante Anwendung von DMAE liegt heute in topischen Anti-Aging-Hautcremes, wo die Substanz eine kurzfristige Hautstraffung über Membraneffekte vermitteln soll. Pharmakologisch bleibt DMAE eine Substanz mit großem Marketingversprechen und kleiner Evidenzbasis. Wer klare kognitive Effekte sucht, greift zu Citicolin oder Alpha-GPC und nicht zu DMAE.
Quellen: Dimpfel 2003, FDA Drug Efficacy Study