5-HTP (Griffonia simplicifolia)
Werbung: Natürliches Serotonin-Supplement für Stimmung, Schlaf und Appetit. 5-HTP aus der afrikanischen Griffonia-Bohne als pflanzliches Antidepressivum.
Wirkung: 5-HTP wird direkt zu Serotonin decarboxyliert, ohne den geschwindigkeitslimitierenden Schritt der Tryptophan-Hydroxylase. Das klingt nach einem Vorteil. Biochemisch ist es ein Problem.
Die Decarboxylierung findet überall statt, wo Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylase exprimiert wird, also auch im Darm und im peripheren Blut. Peripheres Serotonin verursacht Übelkeit, Durchfall und bei chronischer Akkumulation Herzklappenfibrosen. Zentrales Serotonin hebt die Stimmung. 5-HTP ist schlecht darin, die beiden auseinanderzuhalten.
Ohne gleichzeitige Gabe eines peripheren Decarboxylase-Hemmers wie Carbidopa landet der Großteil des 5-HTP als Serotonin im Darm, nicht im Gehirn. Das erklärt die gastrointestinalen Nebenwirkungen und die inkonsistenten Stimmungsdaten. In Kombination mit SSRIs steigt das Risiko eines Serotonin-Syndroms, eine potentiell lebensbedrohliche Komplikation, die auf keiner 5-HTP-Packung in adäquater Deutlichkeit steht.
5-HTP wurde populär, weil Tryptophan verboten war. Das Verbot ist aufgehoben. Der Ersatz verkauft sich weiter.
Quellen: Turner 2006, Byerley 1987
Vorkommen: Kürbiskerne, Sojabohnen, Hafer (als Tryptophan-Vorstufen)