Forschung · 2026-08-18 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Resilienz als Forschungsgegenstand nach dem 7. Oktober
Die Psychiatrie hat jahrzehntelang das Scheitern nach Trauma vermessen und das Standhalten übersehen.
Ein israelisches Konsortium dreht die Blickrichtung um und untersucht, was Menschen nach kollektiver Gewalt intakt hält, nicht was sie bricht. Das STRONG-Protokoll, als Preprint auf medRxiv publiziert und noch nicht begutachtet, verschränkt eine bevölkerungsrepräsentative Längsschnittstudie über 4.600 Erwachsene mit fünf Erhebungswellen in drei Jahren und einer Laborkohorte, in der besonders robuste und besonders vulnerable Personen neurobehavioral vermessen werden. Ausgangspunkt ist der 7. Oktober 2023 und die anschließende Dauerbelastung eines ganzen Landes, was den Beobachtungsraum von der Einzelperson auf die Gesellschaft ausdehnt. Methodisch interessant ist die Verzahnung von Selbstauskunft, sozialer Einbettung und Physiologie in einem einzigen Design, weil bisherige Resilienzforschung diese Ebenen meist getrennt hielt. Ob daraus verwertbare Prädiktoren werden, entscheidet sich erst mit den Wellendaten und der Peer Review.
Wer Widerstandskraft verstehen will, muss aufhören, sie als Abwesenheit von Symptomen zu behandeln.
Quelle: medRxiv Psychiatry