Forschung · 2026-08-21 · 1 Min.
FASD wird als ADHS fehldiagnostiziert
Fetale Alkoholspektrumstörungen und ADHS überlappen im Symptomprofil so vollständig, dass die häufigere Diagnose die seltenere frisst.
Ein Übersichtsartikel in den Annals of the New York Academy of Sciences arbeitet die diagnostischen Leitlinien für FASD auf und stellt sie neben die für ADHS. Aufmerksamkeitsdefizite, Impulsivität, exekutive Dysfunktion, Affektregulationsprobleme finden sich in beiden Katalogen, und wer nicht gezielt nach pränataler Alkoholexposition fragt, bekommt sie auch nicht berichtet. Die Autoren fordern differenzierte Kriterien, weil die Behandlungspfade auseinanderlaufen: Stimulanzien wirken bei FASD schlechter, das Umfeld wiegt schwerer, die Prognose ist eine andere. Was als Aufmerksamkeitsstörung firmiert, ist bei einem nennenswerten Anteil der Fälle organische Folge mütterlichen Trinkens in der Schwangerschaft. Die Diagnose ADHS ist damit auch eine Amnestieformel für die Ätiologie.
Eine Krankheit erbt die Schuld einer anderen und entlastet die Ursache im selben Zug.
Quelle: PubMed E-Utilities · DOI: 10.1111/nyas.70343