Forschung · 2026-08-07 · 1 Min. Preprint, nicht peer-reviewed
Estnische Biobank rekonstruiert Psychose-Verläufe aus Rezeptdaten
Register statt randomisierter Studie: eine Kohorte von 212.000 Esten dient als Testfeld dafür, ob genetische Last den Krankheitsverlauf bei Psychosen und bipolarer Störung mitschreibt.
Das Preprint auf medRxiv, nicht peer-reviewed, wertet die Estonian Biobank aus und identifiziert 1.625 Personen mit primären psychotischen Störungen oder bipolarer Störung anhand von Krankenhausakten und ambulanten Kontakten. Behandlungsperioden für Antipsychotika und Stimmungsstabilisatoren wurden aus Apothekenkäufen rekonstruiert, mit variierenden Annahmen darüber, wie lange eine gekaufte Packung tatsächlich wirkt. Polygene Risikoscores für Schizophrenie, bipolare Störung und Bildungserfolg wurden gegen die Zahl der Gesundheitskontakte und das Rehospitalisierungsrisiko modelliert, per Negativ-Binomial und zeitvariablem Cox. Die aus elektronischen Akten gewonnenen Phänotypen korrelieren genetisch hoch mit den etablierten Konsortialbefunden zu Schizophrenie und bipolarer Störung, was das methodische Kernversprechen des Ansatzes stützt. Was hier vorliegt, ist weniger eine klinische Nachricht als eine infrastrukturelle: Rezeptdaten und Biobank-DNA reichen aus, um Krankheitsverläufe abzubilden, für die früher Studienzentren nötig waren.
Die Kohorte wird zur Apparatur. Wer verschreibt, dokumentiert; wer dokumentiert, wird ausgewertet.
Quelle: medRxiv Psychiatry