Forschung · 2026-07-10 · 1 Min.
Alkoholabhängigkeit als Stoffwechselkrankheit des Gehirns
Die Sucht sitzt nicht im Willen, sondern in der Energieversorgung der Nervenzelle.
Ein aktueller Übersichtsartikel in Biochemistry (Moscow) rückt Alkoholabhängigkeit weg vom Verhaltensmodell und hin zur Zellbiologie. Im Zentrum steht die Neuroinflammation, also die chronische Entzündungsaktivität der Gliazellen, die neben den Neuronen den eigentlichen Stoffwechselapparat des Gehirns bilden. Wenn diese Gliazellen dauerhaft alarmiert sind, kippt der Energiehaushalt der Neuronen, weil Glia den Nachschub an Laktat und Substraten reguliert. Das erklärt, warum Entzug kognitive Defizite hinterlässt, die nicht durch Abstinenz allein heilen, sondern in der Mitochondrienbilanz stecken. Die Konsequenz ist unbequem für die Suchtmedizin, denn sie verschiebt die therapeutische Adresse vom Belohnungssystem hin zum Immunmilieu des Gehirns.
Wer weiter von schwachem Charakter spricht, redet über einen entzündeten Zellhaushalt und weiß es nur nicht.
Quelle: PubMed E-Utilities · DOI: 10.1134/S0006297925604149