HELLMUTH · 2026-07-06 · 1 Min.
Getränkeverbände gegen die Zuckersteuer
Die deutsche Getränkewirtschaft läuft Sturm gegen ein früheres Inkrafttreten der Zuckersteuer, weil sie ahnt, dass jede Verzögerung ihr letztes Argument ist.
Ein Änderungsentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, die Abgabe auf zuckerhaltige Getränke bereits zum 1. Januar 2027 einzuführen. Der Bundestag soll das Paket noch diese Woche beschließen. Wafg, VDM und weitere Verbände nennen den vorgezogenen Termin einen »Affront gegen den Mittelstand« und verweisen auf Planungshorizonte, Rezepturarbeit, Investitionszyklen.
Das Vokabular ist verräterisch. Wer Zeit zur Umstellung fordert, gibt zu, dass die Rezeptur umstellbar ist, und dass sie es bisher nicht war, obwohl die gesundheitliche Datenlage seit Jahren steht. In Großbritannien hat die Levy binnen weniger Jahre den Zuckergehalt der besteuerten Kategorie im zweistelligen Prozentbereich gesenkt, ohne dass der Markt zusammenbrach; die Branche formulierte damals dieselben Warnungen wie hier. Der eigentliche Kampf geht nicht um 2027 gegen 2028, sondern um das Prinzip, dass die Zusammensetzung eines Massenprodukts nicht länger allein der Marketingabteilung gehört.
Eine Steuer, die die Industrie als Affront empfindet, hat ihr Ziel wenigstens halb erreicht. Die andere Hälfte entscheidet sich am Regal.
Quelle: about-drinks